»Share House« nennen die Architektinnen Satoko Shinohara und Ayano Uchimura ihr experimentelles Wohnprojekt in Tokio, das sie nicht nur entworfen haben, sondern auch verwalten. Die ursprüngliche Idee stammt von Kengo Kuma, der sich seit Langem mit gesellschaftlichen Entwicklungen in Japan auseinandersetzt und das Projekt in Auftrag gab. In Tokio leben mehr als 50 Prozent der Einwohner in Single-Haushalten und das zu horrenden Mieten in winzigen Apartments. Als Alternative bietet Kuma ein Gemeinschaftshaus zum Wohnen und Arbeiten an - eine exotisch anmutende, ungewöhnliche Wohnform in Japan. Sieben »Einzelzimmer« bieten eine gewisse Privatsphäre für die Mieter, die sich allerdings zwei Nassräume teilen müssen. Die übrigen Gemeinschaftsbereiche, wie die Werkstatt im Erdgeschoss, Küche und Wohnraum im zweiten Geschoss und die Terrasse mit Kräutergarten auf dem Dach, fallen verhältnismäßig großzügig aus. Innerhalb des rund zehn Meter hohen quaderförmigen Baukörpers stapeln sich die Individualräume zu Einheiten gebündelt versetzt auf drei Ebenen. Dazwischen entstehen abwechslungsreiche Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlichen Raumhöhen und Blickbeziehungen. Decke, Wand und Boden sind einheitlich mit Lärchensperrholz verkleidet und jede Nische wird für Regale und Einbauten genutzt. Die Werkstatt spielt eine zentrale Rolle im Haus. Hier wurden die Möbel von den Bewohnern selbst entworfen und gebaut. Sie verbindet gleichzeitig die Straße des ruhigen Wohnviertels mit dem Innenraum, getrennt nur durch eine Polyestermembran als transluzente äußere Hülle. Wie bei einem Zelt betreten die Bewohner das Haus, indem sie einen Reißverschluss in der Membran öffnen und direkt hinein gelangen. Die Werkstatt erstreckt sich bis unters Dach und eine zweite, innere Fassade aus Polycarbonatplatten bildet die Begrenzung zu den anliegenden Bereichen, sodass eine lichte Atmosphäre entsteht. Bei offenem Reißverschluss erhalten die Nachbarn Einblicke in das Leben der Gemeinschaft, was den experimentellen Charakter unterstreicht und gleichzeitig zur Akzeptanz beiträgt.